Dieses Thema betrifft uns alle: Die Ölpalme (Elaeis guineensis) ist eine Pflanze, die weltweit zu den wichtigsten Palmenarten und natürlichen Ressourcen gehört. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Palme ist immens, denn aus ihrer Frucht wird Palmöl (auch Palmfett genannt) gewonnen und der Samen liefert das Palmkernöl. Und wir alle kommen damit in irgendeiner Form in Berührung.

Warum das problematisch ist, wie gesund oder ungesund Palmöl wirklich ist und welche Alternativen und Lösungen existieren, wird im Folgenden erläutert.

Fast jedes zweite Produkt im Supermarkt und in der Drogerie enthält Palmöl. Von Brotaufstrich über Schokolade bis hinzu Cremes, Make-up und Reinigungsmitteln. Sogar für Bio-Diesel und zur Erzeugung von Strom und Wärme kommt Palmöl zum Einsatz. Wenn man sich die enormen Mengen vor Augen führt, die täglich verbraucht und konsumiert werden, wird klar: Hier werden riesige Flächen für den Anbau von Palmölplantagen gerodet.

Das Problem: Monokultur, Waldrodung, Vertreibung

Palmen so weit das Auge reicht: In Südostasien werden riesige Landflächen für den Anbau von Ölpalmen genutzt. Bild: Borneo im südostasiatischen Malaiischen Archipel.

Wie immer bei Monokulturen, die schonungslos angelegt werden und auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind, entstehen große politische und ökologische Probleme. Das ist bei Kakaoplantagen, Kaffee, Tabak und Soja nicht anders als mit Monokulturen von Ölpalmen.

Fast 30 Millionen Hektar Land weltweit dienen als Ölpalmenplantage. Daraus resultieren ökologische, klimaschädliche und sogar menschenrechtliche Probleme und gravierende Folgen:

Nicht selten werden ehemalige Ackerflächen umfunktioniert, enorme Mengen Wasser werden verbraucht und damit den Anwohnern entzogen. Vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Orang-Utan und Tiger werden vertrieben, Menschen werden in Abhängigkeitsverhältnisse gedrängt oder aus ihren Dörfern vertrieben. Große Mengen Pestizide werden eingesetzt und damit auch Insekten und Pflanzen bedroht.

Das ist die eine Seite der Palmölproduktion, die große Kritik auf sich zieht. Der Verzicht auf Nutella und Produkte, die Palmöl enthalten, wird vielerorts gefordert. Doch einfach ist ein palmölfreies Leben nicht. Die Welt braucht Palmöl, denn dieser Rohstoff hat einige einzigartige Eigenschaften. So werden potentiellen Lösungsansätze diskutiert, die Nachhaltigkeit und den Schutz von Regenwäldern und Kleinbauern fordern.

Die Lösung: Nachhaltigkeit, Aufklärung und Alternativen?

Einige Lösungsvorschläge beinhalten die Zertifizierung von Plantagen und Palmölproduzenten. Konzerne und Palmölbauern sollen dabei zu umweltschonenden und nachhaltigen Methoden verpflichtet werden. Bio-Palmöl wird dann aber sicher nicht mehr so günstig produziert werden können, wie mit den konventionellen, großen Monokulturen. Zu den wichtigsten globalen Zertifizierungssystemen zählen:

  • Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)
  • International Sustainability and Carbon Certification (ISCC)
Bild: Früchte der Ölpalme. Um Kinderarbeit zu verhindern, Armut zu bekämpfen und Kleinbauern eine nachhaltige Lebensgrundlage zu ermöglichen, soll mittels der Zertifizierung für mehr Kontrolle und Nachhaltigkeit gesorgt werden.

Ein runder Tisch soll Abhilfe verschaffen: Konzerne, die sich für eine RSPO-Zertifizierung entscheiden, sollen Palmöl aus einem nachhaltigen Anbau liefern. Die Kontrolle und Zertifizierung der Anbaubedingungen und Weiterverarbeitung des Palmöls umfasst dabei nicht nur die Plantagen vor Ort, sondern auch Transportwege und Vertriebskanäle.

Eine durchgängige Kontrolle der erweist sich jedoch als äußerst schwierig. Denn die Standards in den größten Produktionsländern sind nicht sonderlich hoch und viele Plantageneigentümer und Bauern sind nicht besonders zugänglich. Ob bei der Produktion giftige Chemikalien eingesetzt werden, wie gesund die Arbeiter leben und wie gut sie bezahlt werden, ist oft ebenfalls nicht einfach festzustellen.

Die größten Palmöl produzierenden Länder sind:

  • Indonesien
  • Malaysia
  • Thailand
  • Nigeria
  • Kolumbien
  • Ghana
  • Guatemala
  • Papua-Neuguinea
  • Honduras
  • Brasilien

Ursprünglich in Afrika beheimatet, wird die Ölpalme auch in tropischen Wäldern Südamerikas und in Südostasien kultiviert. Welche gravierenden Folgen die Rodung des Regenwaldes und der Anbau von Palmplantagen für die Natur hat, zeigen folgende Doku-Videos.


Video-Empfehlungen: Kritische Dokumentationen über Palmöl-Anbau

Wie der Anbau von Palmöl den Orang-Utan bedroht (Ganze Doku) | Quarks

Beschreibung der Doku:

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war Sumatra die Insel der Orang-Utans. Der Bestand des Orang-Utan ist seit den 1950er Jahren drastisch zurĂĽckgegangen. Grund dafĂĽr ist die Entwaldung der Insel – bis 2014 wurden rund 80 % des Urwaldes gerodet. Wir alle sind an der Zerstörung des Regenwaldes beteiligt – und damit an der Ausrottung des Orang-Utan…

Autor: Daniel Haase

Palmöl – besser als sein Ruf? | Dirk Steffens, Terra X Doku

Beschreibung der Doku:

Die Zahl der frei-lebenden Orang-Utans ist in den letzten Jahren von 200.000 auf etwa 50.000 abgefallen. Hauptursache dafĂĽr ist das groĂźflächige Roden von Regenwald fĂĽr den Anbau von Palmöl-Plantagen in Indonesien und Malaysia. Die Tiere verlieren während der Rodungsarbeiten ihren Lebensraum. Häufig werden dabei die Kinder von ihren MĂĽttern getrennt und verenden, sollten sie nicht durch GlĂĽck in einer der Auffangstationen fĂĽr Orang-Utans gebracht werden. Hier werden die Jungtiere aufgezogen und später ausgewildert. Grund fĂĽr den Anbau der Palmölpflanzen und damit auch der Rodung im Regenwald ist das Konsumverhalten der Menschen…

ZDF-Sendung Terra X

Weiterführende Literatur und Quellen zum Thema Palmöl, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Umwelt

Eine Vielzahl von gemeinnützigen Projekten und Organisationen veröffentlichen regelmäßig Studien und Verbraucherinformationen. Diese wertvolle Arbeit von NGOs, NPOs und Umweltschutzverbänden, die sich oft durch Spenden finanzieren, trägt der Aufklärung bei. Das ist wichtig, um einen bewussteren Konsum von Produkten mit Palmöl und Palmfett zu erreichen und mit Hilfe von Umwelt- und Förderprojekten betroffene Länder und Regionen nachhaltig zu unterstützen. Davon profitieren Menschen, Tiere und die Natur vor Ort, aber auch wir hier in Deutschland. Wie das am besten gelingen kann, erfahren Sie unter folgenden weiterführenden Links:

  1. https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel
  2. https://www.forumpalmoel.org/was-ist-palmoel/loesungen-wege
  3. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/palmoel-negative-folgen-fuer-gesundheit-und-umwelt-17343
  4. https://www.regenwald.org/themen/palmoel/fragen-und-antworten
  5. Roundtable on Sustainable Palm Oil – rspo.org
  6. https://www.bdsi.de/fileadmin/redaktion/Nachrichten_aus_der_Wissenschaft/WDP_02_2017.pdf
  7. https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Studie_Auf_der_OElspur.pdf
  8. Carbon neutral expansion of oil palm plantations in the NeotropicsScience Advances
  9. https://www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/grundlagen/palmoel/
  10. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/nachhaltiger-konsum/nachhaltiges-palmoel-fonap.html
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpalme